Der Einsatz künstlicher Intelligenz durch Studierende: eine boomende Praxis an Schweizer Universitäten
Immer mehr Schweizer Studierende nutzen künstliche Intelligenz für ihre wissenschaftlichen Arbeiten. An der Universität Genf entdeckten Bibliothekare kürzlich mehrere gravierende Fehler im Zusammenhang mit dem Missbrauch dieser digitalen Tools. Angesichts dieses wachsenden Phänomens versuchen Schweizer Universitäten nun, ihre Studierenden besser zu betreuen und zu unterstützen.
Aufdeckung von Fehlern an der Universität Genf
Alles begann mit einer einfachen Bibliografieprüfung an der Medizinischen Fakultät der Universität Genf (UNIGE). Die Bibliothekare, die die Qualität der zitierten Quellen überprüfen sollten, bemerkten schnell Anomalien. Einige Referenzen waren nicht verfügbar, andere führten zu falschen Artikeln und einige existierten schlicht nicht.
«Einige Referenzen waren nicht durchsuchbar, andere verwiesen auf den falschen Artikel und es gab sogar nicht vorhandene Quellen», erklärt Igor Milhit, ein medizinischer Bibliothekar am University Medical Center (CMU).
KI-Politik an der Universität Genf
In einem Viertel der analysierten Werke wurde der Einsatz künstlicher Intelligenz bestätigt. Die schwerwiegendsten Fehler betrafen erfundene oder veraltete Zitate, teilweise aus gedruckten Werken des 15. Jahrhunderts – für moderne medizinische Arbeiten völlig ungeeignet.
«Ich war sehr überrascht, dass wir Arbeiten mit nicht vorhandenen Informationen einreichen konnten. Dies wirft echte Fragen zur Qualität der wissenschaftlichen Produktion auf, insbesondere wenn diese Studenten selbst zu Forschern werden», betont Igor Milhit.
Eine weit verbreitete und schwer zu erkennende Praxis
Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 haben 561 TP3T-Studierende der Universität Genf bereits im Rahmen ihres Studiums ein generatives KI-Tool verwendet. 161 von ihnen geben an, es für die Hälfte oder mehr ihrer akademischen Arbeit zu verwenden.
Für die Lehrer sind die Veränderungen nicht unbemerkt geblieben. Die Produktionen sind besser geschrieben, flüssiger und fehlerfrei, weisen jedoch eine beunruhigende Homogenität auf.
«Seit zwei Jahren läuft die Arbeit sauberer, aber auch einheitlicher ab», stellt Nadia Elia, Professorin an der Medizinischen Fakultät, fest.
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Manche Studierende nutzen KI zum Übersetzen, Umformulieren oder Verdeutlichen eines Textes, andere wiederum nutzen sie zum direkten Erstellen ganzer Absätze.

Strengere Aufsicht an Schweizer Universitäten
Da sich die Schweizer Universitäten des Potenzials und der potenziellen Fallstricke dieser Technologien bewusst sind, haben sie beschlossen, Maßnahmen zu ergreifen. Sie bieten nun Schulungen, praktische Anleitungen und Erklärvideos an, um den Menschen einen ethischen und verantwortungsvollen Umgang mit KI beizubringen.
Die Regeln sind jedoch klar: Der Einsatz künstlicher Intelligenz muss in der eingereichten Arbeit ausdrücklich erwähnt werden. Wird dies unterlassen, ist das Risiko hoch: Das Dokument könnte als Plagiat gelten und mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss geahndet werden.
Zusammenfassend
- Mehr als jeder zweite Student nutzt bereits KI für seine Arbeit.
- Die Universität Genf hat vollständig gefälschte Bibliografien entdeckt.
- Universitäten regulieren mittlerweile den Einsatz von KI, um Plagiate zu verhindern.
- Die Erwähnung des Einsatzes von KI wird zu einer akademischen Verpflichtung.
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